Hinterlegung von biologischem Material an der DSMZ in Übereinstimmung mit dem Nagoya-Protokoll

Vor Beginn Ihres Forschungsprojektes

Bei jeglicher internationaler biologischer Forschung ist jeder Wissenschaftler verpflichtet, herauszufinden, welche internationalen und nationalen Gesetze für die Probenahme im Gastland gelten. Um die Verpflichtungen aus dem Nagoya-Protokoll zu erfüllen, ist es unerlässlich, die Angaben des ABS-Clearinghouse zu überprüfen und sich mit dem nationalen Focal Point und/oder den dort aufgeführten zuständigen nationalen Behörden in Verbindung zu setzen. Diesen müssen Sie mitteilen, was Sie vorhaben, und im Idealfall können sie Ihnen sagen, welche Genehmigungen und Zulassungen notwendig sind, um Ihre Forschung durchzuführen. Es kann hilfreich sein, mit einem Projektpartner vor Ort zusammenzuarbeiten; teilweise ist dies sogar erforderlich.

Um von den Behörden eine adäquate Beratung und die richtigen und ausreichenden Dokumente zu bekommen, müssen Sie sich im Klaren sein, was Sie kurz- und langfristig mit dem biologischen Material zu tun planen. Die im Herkunftsland erhaltenen Dokumente (PIC, MAT, MTA, IRCC) sollten im Vorgriff auf den wissenschaftlichen Zweck und die Ziele des Projekts erstellt werden, abhängig davon, welche Art von Forschung Sie planen: ob Sie eine Sequenzierung durchführen oder ob Sie neue Isolate in einer Kultursammlung hinterlegen werden, etc. Diese Ziele müssen mit den Genehmigungen und Zulassungen vereinbar und vom MTA ausdrücklich erlaubt sein.

TIPP: Für Hinterlegungen bei der DSMZ (und anderen Kultursammlungen) ist es unerlässlich, dass im MTA oder anderen Unterlagen eindeutig festgelegt ist, dass neu beschriebene Mikroorganismen in einer öffentlichen Sammlung hinterlegt und an andere Wissenschaftler weitergegeben werden dürfen. In vielen Ländern ist es hilfreich, darauf hinzuweisen, dass die DSMZ über ein eigenes verbindliches MTA verfügt, das die Verwendung eines DSMZ-Stammes auf die nicht-kommerzielle Forschung beschränkt und eine weitergehende Verbreitung der Stämme (d.h. Weitergabe an Dritte) verbietet. Der Internationale Code of Nomenclature for Bacteria verlangt die Hinterlegung in zwei internationalen Sammlungen, und dies sollte auch im Voraus im MTA vereinbart werden.

Die DSMZ akzeptiert keine Hinterlegungen, wenn das Herkunftsland der Ressource eine Genehmigung für die zukünftige Verteilung des Stammes verlangt. Der administrative Aufwand zur Erlangung von Einzelgenehmigungen aus dem Herkunftsland ist nicht nur logistisch zu aufwändig, sondern entspricht auch nicht dem Internationalen Code of Nomenclature for Bacteria (Regel 30), der besagt, dass Stämme "ohne Einschränkungen" verfügbar sein müssen, da sie ansonsten wissenschaftlich nicht reproduzierbar sind und nicht den Standards der Guten Wissenschaftlichen Praxis entsprechen.

Bereit an der DSMZ zu hinterlegen?

Bei allen Hinterlegungen an der DSMZ von nicht-humanem biologischem Material müssen folgende Informationen bereitgestellt werden:

1) Das Land, in welchem die genetische Ressource gesammelt wurde. (Proben, die in „Internationalen Gewässern“ oder der „Antarktis“ gesammelt wurden sollten unter diesen Standorten aufgelistet werden.)

Hinweis: Land umfasst den Staat, die Hoheitsgewässer, die ausschließliche Wirtschaftszone (bis zu 200 Seemeilen in die offenen See gemäß des Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen) und sämtliche sonstigen Gebiete in denen das Land souveräne Rechte besitzt. Diese Seite hilft Ihnen zu bestimmen, ob eine maritime Position in internationalen Gewässern liegt.

Einige Länder (beispielsweise Australien, Dänemark, Frankreich, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Großbritannien, USA) besitzen geografisch getrennte Überseegebiete (zum Beispiel die französischen und die britischen Überseegebiete sowie die Außengebiete der Vereinigten Staaten und Australiens). Diese können abweichende Bestimmungen bezüglich des Zugangs zu genetischen Ressourcen haben (beispielsweise umfasst Dänemarks Ratifizierung des Nagoya-Protokolls nicht Grönland). Die für diese Gebiete geltenden Bestimmungen müssen bei der ABS Clearinghouse-Stelle und den nationalen Ansprechpartnern (National Focal Points) geprüft werden.

2) Der genaue Standort, an dem die genetische Ressource gesammelt wurde (GPS-Koordinaten obligatorisch).

3) Das Datum der Sammlung.

4) CBD und Nagoya Protokoll-Überprüfung.Basierend auf den obenstehenden Informationen erkennt unser Online-Hinterlegungsformular für Mikroorganismen automatisch, ob Ihre genetische Ressource der Regelung durch CBD oder NP unterliegt.

Zurzeit  ist nur ein Online-Hinterlegungsformular für Mikroorganismen verfügbar, für die Hinterlegung von Bakteriophagen, Pflanzenviren und tierischen Zellkulturen füllen Sie bitte mit Hilfe des ABS Clearinghouse das PDF-Formular aus und senden Sie es an den zuständigen Kurator.

5) Dokumentationsunterlagen zu CBD und NP. Hat die Überprüfung unter Punkt 4 ergeben, dass Ihre Ressource der Regelung durch CBD oder NP unterliegt, nennen Sie bitte die zuständige nationale Behörde, welche den Zugang gewährt hat und laden Sie Unterlagen hoch, welche die vorherige Zustimmung (Prior Informed Consent, PIC) und/oder die einvernehmlich festgelegten Bedingungen (Mutually Agreed Terms, MAT) und ein Material Transfer Agreement (MTA) des bereitstellenden Landes dokumentieren. Dies kann sowohl in Form eines einzigen Dokuments (z. B. Internationally recognized certificate of compliance, IRCC) als auch in Form mehrerer separater Dokumente erfolgen. Ist das entsprechende Feld im Formular rot markiert, ist diese Information zwingend erforderlich, ist das Feld weiß, wird sie empfohlen.

6) Während des Hinterlegungsprozesses werden Sie gefragt, ob sämtliche anderen Gesetze des Ursprungslands befolgt und die zugehörigen Dokumentationsunterlagen erhalten sind (z. B. Exportgenehmigungen, Genehmigungen lokaler Behörden oder von Nationalparks, etc.) Bitte landen Sie alle zusätzlichen Bewilligungen oder Dokumente hoch.

Werden die oben genannten Informationen nicht bereitgestellt, kann dies zur Ablehnung der Hinterlegung bei der DSMZ führen.

Basierend auf der obenstehenden Anleitung gibt Ihnen die folgende Abbildung einen Überblick darüber, welche Informationen Sie in Abhängigkeit von Ihrer jeweiligen Ressource der DSMZ zur Verfügung stellen müssen: