Widersprechen sich Antibiotika- und Phagentherapie?

Nein. Beide Therapien haben dasselbe Ziel, Bakterien abzutöten und können auch nebeneinander angewendet werden. Dies bleibt immer ärztliche Entscheidung.

Der therapeutische Effekt einer erfolgreichen antibiotischen Therapie kann grundsätzlich mit dem einer erfolgreichen Phagentherapie verglichen werden. Spricht ein krankmachender (pathogener) Bakterienstamm, d.h. ein konkretes Patientenisolat, gut auf ein Antibiotikum oder auf einen Bakteriophagen an, ist das therapeutische Ziel erreicht. Im Laufe der Therapie können in beiden Fällen vereinzelt resistente Bakterien entstehen.

Während aber Antibiotikaresistenzen zwischen Bakterien weitergegeben werden und die Resistenzen eine Gefahr für spätere Antibiotikatherapien des Patienten darstellen können, hat Phagentherapie ein anderes Prinzip: im Einzelfall wird jeweils ein passender Phage gesucht. Da die Zahl verfügbarer Antibiotika begrenzt ist, die Zahl wirkungsvoller Phagen aber grundsätzlich unbegrenzt, ist das Resistenzproblem betreffend Phagen viel geringer.

Aufgrund der Spezifität müssen im Einzelfall geeignete Phagen gegen den Krankheitserreger gescreent werden, Breitbandwirkung von Phagen ist viel seltener als bei Antibiotika.

Zusammenfassend: bakterielle Resistenzen gegen Antibiotika haben nachhaltig negative Effekte, die Resistenzen werden stabil zwischen Bakterien weitervererbt und in der Umwelt verbreitet. Bakterielle Resistenzen gegen Phagen sind unerheblich und nicht nachhaltig negativ, da Phagen in natürlichen Systemen unbegrenzt zur Verfügung stehen.