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Klimawandel macht krank

Vollversammlung des Leibniz-Forschungsverbunds INFECTIONS´21 tagte bei der DSMZ in Braunschweig

(Braunschweig - 3. Dezember 2018): Im Anschluss an den ersten Tag der Vollversammlung des Leibniz-Forschungsverbunds INFECTIONS´21 fand am 22. November im Haus der Wissenschaft die öffentliche Vortragsveranstaltung Globaler Wandel und Infektionskrankheiten statt. Durch das Programm, das sich dem Einfluss von Umweltveränderungen auf die Ausbreitung von Infektionskrankheiten widmete, führte Professor Dr. Ulrich Nübel, der beim Leibniz-Institut DSMZ die Arbeitsgruppe Mikrobielle Genomforschung leitet. Zum Forschungsverbund gehören 14 Institute der Leibniz-Gemeinschaft und drei externe Partner, die im Bereich der Infektionsforschung tätig sind. Gastgeber der diesjährigen Vollversammlung war das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH mit Sitz auf dem Science Campus Braunschweig-Süd. Ziel des interdisziplinären Forschungsverbundes ist, unter Beteiligung der Öffentlichkeit neue Strategien und Methoden für Frühwarnsysteme, ein verbessertes Management bei Ausbrüchen und eine optimierte Eindämmung der Erregerausbreitung zu entwickeln.

Die Pest ist nicht ausgerottet!
Professor Dr. Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena gab eine Übersicht zur genetischen Geschichte der Pest. Diese Infektionskrankheit hat mehrfach in die Geschichte der Menschheit entscheidend eingegriffen und ist ein bedeutender Faktor für die Beendigung des Zeitalters des Römischen Reichs. Mit seinem Team konnte Professor Krause nachweisen, dass es sich bei der Steinzeitseuche vor 5.200 Jahren um eine Form der Pest-Infektion handelte, die heute ausgestorben ist. Seit der Bronzezeit ist die Beulenpest, die als Schwarzer Tod das Mittelalter beherrschte, bekannt. Noch heute sind die Erreger der Beulenpest (Yersinia pestis) in kaum veränderter Form weltweit vorhanden. So gab es im Jahr 2017 auf Madagaskar mehr als 200 Todesfälle, die auf die Beulenpest zurückzuführen sind (1). In Europa und Australien existieren aktuell keine Verbreitungsgebiete (2).

Klimawandel als neuer Risikofaktor für die Gesundheit
Der Kinderarzt und Tropenmediziner Prof. Dr. Dr. Rainer Sauerborn referierte als langjähriges Mitglied des Weltklimarates zu Infektionskrankheiten, die durch den Klimawandel beeinflusst werden. Professor Sauerborn erläuterte, welchen Einfluss der Klimawandel und seine Folgen wie Dürren oder Überschwemmungen auf die Verbreitung von Infektionskrankheiten haben und wie Vorbeugemaßnahmen gegen neu auftretende Infektionskrankheiten eingeleitet werden können. Nach Aussagen des renommierten Forschers vom Heidelberger Institut für Global Health besteht für die jetzt lebende Generation letztmalig die Möglichkeit, noch Entscheidendes gegen den Klimawandel zu tun. Diese Generation kann gleichzeitig aus ihrem klimaschonenden Handeln direkt konkrete Effekte für die Umwelt und ihre eigene Gesundheit erreichen. Wer beispielsweise mit dem Fahrrad anstatt des Autos zur Arbeit fährt, reduziert die CO2-Belastung und stärkt das Herz-Kreislauf-System, so Professor Sauerborn. Er kritisierte, dass es in Europa bisher nur einen Lehrstuhl für Gesundheit und Klimawandel gibt, obwohl mindestens 100 Krankheiten direkt mit dem Klimawandel assoziiert sind.

Quellen
(1) https://www.who.int/csr/don/27-november-2017-plague-madagascar/en/; Zugriff am 27.11.2018
(2) https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Pest/FAQ_Liste.html;jsessionid=6967E8111C21943F2DCD5C3B448CB449.1_cid390; Zugriff am 27.11.2018

DSMZ-Pressekontakt:
Sven-David Müller, Pressesprecher des Leibniz-Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Tel.: 0531 / 2616-300
sven.david.muellere-mail trennerdsmze-mail trennerde

Über das Leibniz-Institut DSMZ
Das Leibniz-Institut DSMZ - Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen ist die weltweit vielfältigste Sammlung für biologischen Ressourcen (Bakterien, Archaea, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen, Pflanzenviren, genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische Zellkulturen). An der DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen gesammelt, erforscht und archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren umfangreichen wissenschaftlichen Services und biologischen Ressourcen seit 1969 globaler Partner für Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr. 511/2014) und nach Qualitätsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit, biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus Braunschweig-Süd beherbergt mehr als 66.500 Kulturen sowie Biomaterialien und hat 198 Mitarbeiter. www.dsmz.de

Über die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 93 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 19.100 Personen, darunter 9.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro. www.leibniz-gemeinschaft.de