20.08.2026

Wildbienen besser schützen - Neue Impulse der Wildbienenforschung

Der Bienenschutz Stuttgart fördert ein zukunftsweisendes Forschungsprojekt der DSMZ und des JKI zur Entschlüsselung des Wildbienen-Mikrobioms.

Dr. Andrey Yurkov, Leiter der Arbeitsgruppe Pilze und Pilzsystematik; Quelle: DSMZ

Gemeinsame Pressemitteilung
Leibniz-Institut DSMZ, Julius Kühn-Institut (JKI) und Bienenschutz Stuttgart e. V.

(Braunschweig/Stuttgart – 20. August 2026): Mehr als 600 Wildbienenarten sichern in Deutschland als unverzichtbare Bestäuber die biologische Vielfalt. Doch die Insekten stehen unter massivem Druck durch Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft und Klimawandel. Ein bislang wenig untersuchter Faktor für ihre Gesundheit und Entwicklung könnte im Mikrobiom der Tiere liegen. Der Bienenschutz Stuttgart e. V. unterstützt deshalb ein gemeinsames Forschungsvorhaben des Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH und des Julius Kühn-Instituts, Bundesforschungs- institut für Kulturpflanzen, um die fundamentale Rolle von Hefen und anderen Pilzen im Leben von Wildbienen aufzuklären. Der Verein stellt hierfür eine Fördersumme von 2.000 Euro bereit.

Die wissenschaftliche Herausforderung
Mikroorganismen gehören zu den wenig erforschten Komponenten im Ökosystem der Wildbienen. Das neue Forschungsprojekt soll systematisch aufdecken, welche konkreten Funktionen Pilze für die Larvenentwicklung, Ernährung und Immunabwehr von Wildbienen übernehmen. Zudem untersuchen die Forschenden, wie Hefen und andere Pilze durch ihre Stoffwechselaktivitäten dazu beitragen, dass spezialisierte Wildbienenarten ein eingeschränktes Spektrum bestimmter Pollenquellen als Nahrung nutzen können.

Prämiertes Fundament der Zusammenarbeit/der Forschung
Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens ist eine jüngst im Fachjournal Basic and Applied Ecology publizierte Arbeit (1) zum Pilzmikrobiom der Großen Weidensandbiene (Andrena vaga). Die gemeinsamen Untersuchungen der Braunschweiger Forschungsinstitute DSMZ und Institut für Bienenschutz lieferten erstmals starke Indizien dafür, dass spezifische Hefen gezielt zwischen den Bienengenerationen weitergegeben werden. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass diese Mikroorganismen eine Art Schutzfunktion übernehmen: Sie machen Pollenvorräte haltbar, entgiften potenziell schädliche Pflanzeninhaltsstoffe und schützen die empfindliche Brut vor möglichen Krankheitserregern oder Schädlingen“, erklärt Dr. Hanna Gardein, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bienenschutz. Für diese Entdeckung wurde die zugrunde liegende Studie mit dem BAAE Best Student Paper Award 2025 der renommierten Gesellschaft für Ökologie ausgezeichnet (2).

Langfristige Erhaltung von Bioressourcen
Das aktuelle Projekt weitet die Untersuchungen nun auf mehrere spezialisierte und unspezialisierte Wildbienenarten aus. Untersucht werden Proben entlang der gesamten Entwicklungskette: vom Pollenvorrat über Ei und Larve bis hin zur erwachsenen Wildbiene. Die isolierten Hefen und Pilze werden im Labor kultiviert und mittels moderner mikrobiologischer sowie molekularbiologischer Verfahren identifiziert. Ein entscheidender Mehrwert für die weltweite Forschung: Alle neu gewonnenen Mikroorganismen-Stämme werden dauerhaft in der Sammlung des Leibniz-Institut DSMZ hinterlegt. Damit stehen sie der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft langfristig für die Forschung zur Verfügung. „Mit unserer Förderung möchten wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, innovative Forschung zu unterstützen, die neue, praxisnahe Perspektiven für den Schutz von Wildbienen und anderen Hymenopteren eröffnet und zugleich langfristig nutzbares Wissen für die Wissenschaft schafft“, erklärt Dr. Maike Khosrawi vom Verein Bienenschutz Stuttgart e. V.. Der Verein, der von 25 engagierten Privatpersonen getragen wird und unter anderem die Stuttgarter Wespen-Bürgerberatung sowie die Initiative der Stuttgarter Sensenschwinger organisiert, vergibt seine Forschungsförderung im Jahr 2026 bereits zum zweiten Mal. Ziel ist es, den Austausch zwischen akademischer Forschung und praktischem Naturschutz zu stärken und wissenschaftliche Erkenntnisse schneller für konkrete Schutzmaßnahmen nutzbar zu machen. 

Neue Perspektiven für Wildbienengesundheit und Artenschutz
„Die gewonnenen Daten und die isolierten Stämme der Hefen und Pilze schaffen eine wichtige Grundlage, um die Bedeutung dieser Mikroorganismen für Ernährung, Entwicklung und Gesundheit von Wildbienen experimentell zu untersuchen. Dies ist zugleich ein wichtiger Schritt, um künftig besser zu verstehen, wie die mit Wildbienen assoziierten mikrobiellen Gemeinschaften die Auswirkungen anthropogener Umweltfaktoren auf Wildbienen abmildern können und welche Bedeutung dies für das Überleben und den Erhalt der Vielfalt von Wildbienen haben könnte“, erklärt Dr. Andrey Yurkov, Leiter der Arbeitsgruppe Pilze und Pilzsystematik des Leibniz-Institut DSMZ. 

Literatur/Quelle:
1) www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1439179125000313
2) https://gfoe.org/en/gfoe-awards/baae-best-student-paper-award

 

Pressekontakte:
• Leibniz-Institut DSMZ, Stabsstelle Wissenschaftskommunikation
  E-Mail: press(at)dsmz.de
• Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Institut für Bienenschutz
  E-Mail: bs(at)julius-kuehn.de 
• Bienenschutz Stuttgart e. V.
  E-Mail: info(at)bienenschutz-stuttgart.de


Über das Leibniz-Institut DSMZ
Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH ist die weltweit vielfältigste Sammlung für biologische Ressourcen (Bakterien, Archaeen, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen, Pflanzenviren, genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische Zellkulturen). An der DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen gesammelt, erforscht und archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren umfangreichen wissenschaftlichen Services und biologischen Ressourcen seit 1969 globaler Partner für Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist als gemeinnützig anerkannt, die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr. 511/2014) und nach Qualitätsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit, biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus Braunschweig-Süd beherbergt mehr als 95.000 Bioressourcen und hat rund 210 Beschäftigte. www.dsmz.de  

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