Was sind multiresistente Keime und was bedeutet „Krankenhauskeime“?

Unter „Keimen“ verstehen wir hier Bakterien. Sie sind einzellige Lebewesen ohne Zellkern. Ca. 90% aller bekannten Bakterienarten sind harmlos, nützlich oder sogar lebensnotwendig (z.B. Darmflora von Mensch und Tier).

Besonders in den letzten Jahrzehnten und mit der  Tendenz einer dramatischen Zuspitzung haben alle möglichen Bakterienarten Resistenzmechanismen gegen Antibiotika im engen Wortsinn „gesammelt“ und in ihre genetische Ausstattung eingefügt, sodass sie diese Eigenschaften an ihre Folgegenerationen stabil weitergeben, um ihr Überleben zu sichern.

Ziel der Keime ist ihr Überleben im Umfeld vieler Antibiotika (siehe Krankenhauskeime). Bakterielle Antibiotikaresistenzen sind also mehr und mehr fester Bestandteil der genetischen Ausstattung im Kampf ums Überleben dieser Bakterien, ein Phänomen, das auch bei Bakterien in Wasser und Boden um sich greift.

Ferner sind Bakterien in der Lage, diese Fähigkeiten an andere Bakterien jenseits ihrer Artgrenze weiterzugeben. Dieser Austausch zu Gunsten der multiresistenten Bakterien hat unwiederbringlich dazu geführt, dass ein Zustand der Multiresistenz oder teilweise sogar Totalresistenz gegen alle gängigen oder therapeutisch einsetzbaren Antibiotika eingetreten ist.

Bakterien werden auf der Erde schnell über weite Bereiche verstreut, Wasser, Wind, Tiere, Menschen, Globalität, Mobilität tragen die Keime unkontrollierbar überall hin. So finden sich an abgelegenen Orten und im Erdboden unvermutet bereits multiresistente Keime.

Von „Krankenhauskeimen“ (nosokomialen Infektionen) spricht man im medizinischen Zusammenhang: typischerweise kommen im Krankenhaus Bakterienarten vor, die dort statistisch besonders häufig sind, da sie häufig im und auf dem Menschen leben, aber auch „opportunistisch Pathogene“ genannt werden, da sie bei geschwächten Menschen und am falschen Ort im Körper Krankheiten verursachen können: für den Gesunden unproblematisch und durchaus sehr häufig und „normal“, z.B. auf den Schleimhäuten der Nase, werden sie für den geschwächten Patienten zur Gefahr.

Solch typische Beispiele sind Pseudomonas aeruginosa oder Staphylococcus aureus. Werden geschwächte Patienten von solchen Bakterien besiedelt und kann das Immunsystem sie nicht mehr selbst bekämpfen, weil es bereits stark herausgefordert ist, so müssen Antibiotika angewandt werden, zumal hospitalisierte Patienten aufgrund ihrer Gefährdung schnell gesunden sollen. Leider sind gerade diese häufigen opportunistisch pathogenen Bakterien, die jeder Gesunde mit sich trägt, diejenigen, die größte Sorgen hinsichtlich der Multiresistenzen machen, denn diese Keime haben schlaue Mechanismen entwickelt, um Antibiotika als Waffe stumpf zu machen.

Es ist unmöglich, diese Entwicklung rückgängig zu machen. Als Maßnahme zur Minderung des Problems bleibt nur extreme Hygiene und steriles Arbeiten, was aber im Umgang von Mensch zu Mensch schwierig bis unmöglich ist. Der Ausdruck „Krankenhauskeim“ beinhaltet demnach zusammenfassend eher die Beschreibung eines Problem-Phänomens als die Definition bestimmter Keime.