Wie können Phagen in der Medizin angewendet werden?

Phagen nützen überall da wo Bakterien schaden. Bereits die Entdeckung der Phagen durch Felix d’Herelle 1917 war durch einen medizinisch-therapeutischen Denkansatz geprägt, ohne damals die Phagen sichtbar machen zu können (ein Phage ist nur im Elektronenmikroskop sichtbar).

Alleine der lytische Effekt gegen Bakterien war es, der die Phagen damals schon attraktiv machte. Da Phagen sehr spezifisch nur Bakterien angreifen, aber alle anderen Lebewesen und Zellen völlig unangetastet lassen und da ein Phage jeweils nur eine begrenzte Zahl von Stämmen innerhalb einer Bakterienart angreift, stellen Phagen ein logisches, rein biologisches, natürliches, antibakterielles Agens mit hoher Wirkspezifität dar.

Lytische Phagen für eine Therapie müssen entweder neu aus natürlichen Standorten gesucht werden, indem man sie gegen das jeweilige Zielbakterium „screent“ oder man greift auf einen Fundus bereits bestehender Phagenpräparate zurück und setzt diese „auf Verdacht“ direkt ein, evtl. auch als „Phagencocktail“ (Mischung verschiedener Phagen).

Alle Erfahrungen und Kenntnisse der Phagenbiologie und der viele Jahrzehnte erfolgreichen Phagentherapie sprechen für nebenwirkungsfreie Phagenanwendung.
Dabei ist für Phagen typisch, dass sie die Bakterien schnell restlos auflösen (lysieren) und somit zur guten Wundheilung beitragen. Grundsätzlich versiegen potenzielle Therapiephagen gegen ein Bakterium nicht, da passende Phagen durch „Screening“ immer wieder neu aus der Umwelt gefunden werden können.

So entfällt auch die Frage nach dem Problem der bakteriellen Multiresistenz gegen Phagen. Für Phagentherapie ist es zudem unerheblich, ob das Bakterium resistent gegen Antibiotika ist: der passende Phage erkennt die bakterielle Zelloberfläche.

Phagen anwendende Ärzte haben Erfahrung bzgl. Phagenbiologie und arbeiten mit Phagenbiologen zusammen, welche vor der Anwendung die betreffenden Therapiephagen umfassend charakterisieren. Ärzte wenden verschiedene Methoden an, um die Phagen an Ort und Stelle der bakteriellen Infektion zu applizieren. Darauf wird hier jedoch nicht eingegangen.